„Soli Deo Gloria”-Steve Lawson.

Konferenz: Wittenberg/Lutherstadt . 21 Mai 2017.

„Denn von ihm und durch ihn und für ihn sind alle [Dinge]; ihm [sei] die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen. (Römer 11:36)”

Dr. Steven J. Lawson ist Präsident der OnePassion Minitries, Professor für Predigtunterricht am Master´s Seminary, Lehrer bei Ligonier Ministries, Professor in Vorbereitung bei Truth Remains und Autor zahlreicher Bücher. Er ist außerdem leitender Redakteur bei Expositor Magazine.

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Beharrlichkeit- Wachsen im Gebet.(P.Washer.English/Deutsch)

Beharrlichkeit – Wachsen im Gebet

(Diese Predigt in Deutsch lesen und/oder als PDF herunterladen: HIER!)


Ich habe keine Angst davor, in meinem Gebetsleben Fehler zu begehen, denn ich diene einem Gott der Gnade. Hier aber in Hebräer 11:1 steht etwas Erstaunliches, nämlich: „Es ist aber der Glaube ein Beharren auf dem, was man hofft, eine Überzeugung von Tatsachen, die man nicht sieht.“ Nun, wie können wir das umsetzen? Wie können wir diese Zuversicht haben? Überzeugt von Tatsachen, die man nicht sieht? Es gibt nur einen Weg… das Wort Gottes.

Es ist jedes Mal sehr schwer für mich, an einen Ort wie diesen zu kommen. Ich passe hier nicht wirklich hin. Am wohlsten fühle ich mich im Busch, auf dem Missionsfeld. Ich meine das nicht als Beleidigung. Ich fühle mich eigentlich wohler in großen Gemeinden, die gefüllt sind mit Leuten, die sich im Namen Jesu versammelt haben, Ihn aber nicht wirklich kennen. Nun, ich bin heute hier, und… Bruder Riddle hat wahrscheinlich mehr vergessen, wie ich jemals gelernt habe. Einige von euch haben mehr Kenntnisse als ich. Ihr wisst mehr. Was kann ich euch erzählen?

Aber ich kann euch folgendes fragen: Wie viel habt ihr heute Morgen gebetet? Wie lange verweilt ihr jeden Tag vor dem Thron Gottes? Für mich ist da etwas beängstigendes an dieser reformierten, puritanischen, biblischen Ideologie der souveränen Gnade Gottes. Oh, ich liebe die Lehre. Wir erfreuen uns an der puritanischen Lehre, aber erfreuen wir uns ebenfalls an der puritanischen Frömmigkeit? Kennen wir die Erfahrungen eines David Brainerd? Haben wir die ganze Nacht ausgerufen, im Schnee, in den Wäldern, dass wir uns selbst prüfen im Bezug auf die Dinge, die erforderlich sind? Glauben wir eigentlich noch, dass die Gegenwart Gottes an einen Ort kommen kann und jeden Menschen erniedrigt? Kennen wir die Kraft des Heiligen Geistes? Kennen wir die Gegenwart Gottes in solch einer Weise, die uns sprichwörtlich zum AUSEINADERFALLEN bringt, und uns dann aber wieder zusammenfügt? Oh, liebe Geschwister, es muss so viel in der Welt getan werden, aber die Macht des Fleisches kann es nicht ausführen, und die Stärke des Verstandes kann nicht realisieren, was getan werden muss. Es liegt allein in der Macht des lebendigen Gottes, und ich verstehe nicht das Rätsel, ich kann den Grund nicht verteidigen, aber eines weiß ich, nämlich dass abgesehen vom Gebet, von einem BESTÄNDIGEN, ANDAUERNDEN, GLAUBENDEN GEBET wir trotz aller Lehre tot wie ein Türknauf sind.

Wie sehr brauche ich GOTT! Manchmal fühle ich mich so, als ob ich nicht atmen könnte, bis ich IHN habe! Einige von euch kennen das. Aber vielleicht habt ihr es auch vergessen. Ihr erinnert euch an die Zeiten, vor ihr in Seiner Gegenwart weiltet. Und ihr WUSSTET, dass Gott dort war, nicht nur wegen der Lehre, die euch sagte, dass Gott allgegenwärtig sei, sondern weil sich Gottes Anwesenheit bei euch in jenem Zimmer offenbarte. Sobald diese Erfahrung euer Leben berührt hat, so könnt ihr NICHT weiter ohne ihr leben! Ich spreche hier nicht von irgendwelchen charismatischen Erfahrungen. Ich spreche hier nicht über Dinge die euren Vätern (theologischen Vätern), die wir sehr lieben und ehren, fremd waren. Lest Jonathan Edwards. Lest David Brainerd. Meine Lieben, lest Charles Spurgeon. Lest John Flavel. Wir haben die Schrift, und wir sollten darin weise sein. Unser Volk geht zugrunde aus Unwissenheit, und ihr wisst das. Aber das Wissen an sich, in der Bibel, ist etwas übernatürliches, oder nicht? Wissen kommt nicht zwangsläufig durch eine Rangelei mit dem logischen Denken. Es kommt durch die Offenbarung Gottes, und das ist eine geistliche Angelegenheit! Unser Volk geht unter durch Unwissenheit. Sie brauchen Gottes Wort, aber sie brauchen den Geist Gottes, der es ihnen offenbart. Wir brauchen den GEIST GOTTES, der unsere Münder berührt, unsere Herzen und unser Leben, als Prediger und Pastoren. Wir können ohne dies NICHT leben! Oh, dass sich einige von euch doch selbst fortreißen würden und in die Wälder gehen, und eine Woche nicht zurückkommen würden! Dass ihr doch auf die Berge steigen würdet und Steine aufsammelt vom Boden und sie gen Himmel hochwerft und schreit: „ICH WERDE DIESEN RINGKAMPF NICHT AUFGEBEN, BIS DU MEIN LEBEN BERÜHRST! BIS DU MICH VERÄNDERST! BIS DA IRGENDWAS VON G O T T IN MIR IST !!!“ Ich bin der Worte so müde. Die Worte sind zwar kostbar, aber OHNE DEN GEIST GOTTES sind sie NICHTS! Oh, IHN doch zu kennen!

Geschwister, Manchmal habe ich scherzhaft gesagt, dass wenn die Zeugen Jehovas an meine Tür klopfen und sie sagen: „Wir sind Zeugen Jehovas“, ich dann die Tür aufmache und sage: „Nun, kommt herein, denn ich bin auch einer!“ Und ich lasse sie für ca. 10 Minuten reden und sage anschließend: „Ihr seid keine Zeugen für Jehova. Ihr LÜGT über Jehova.“ Nun, wieso tue ich das auf diese Art? Weil ich einen Mann vor vielen, vielen Jahren habe sagen hören: „Ich werde keinem Kult erlauben, weder meinen Namen von mir zu rauben, noch mein Erbe. Und… noch werde ich zulassen, dass TV Prediger und Evangelisten,- viele von ihnen sind Ketzer und gehören Bewegungen an,- den Heiligen Geist von mir stehlen. Ich werde keine Angst vor ihnen haben. Ich werde weder mein Erbteil, noch meine Stellung als Mann Gottes verwerfen weil andere Leute falsch vom Geist Gottes und Seiner Kraft in ihrem Leben bezeugen. Das werde ich NICHT!“

Ich habe hier ein Buch. Und in diesem Buch befindet sich das Buch der Apostelgeschichte. In diesem Buch sehe ich die mächtigen Werke Gottes. Es handelt sich nicht um die „Taten“ von Menschen, sondern von „Taten“ Gottes durch Menschen. Dort lese ich, dass offensichtlich Christus wusste, was Seine Leute brauchten. Begreift ihr, sie haben Ihn auferstehen sehen, und dennoch haben einige noch gezweifelt! Sie hatten immer noch Angst, und das ging soweit, bis der mächtige Wind vom Geist Gottes durch sie hindurch fegte und über sie ausgegossen wurde! Heutzutage gibt es so viel Gerangel um diesen Text, und wir verfehlen seine komplette Botschaft. Jawohl, wir müssen den Text korrekt betrachten, um uns selbst und unsere Sichtweise vor denen zu verteidigen, die ihn falsch interpretieren, aber gleichzeitig dürft ihr nicht das Ziel verfehlen. Sie brauchten Kraft vom Allerhöchsten. Sie haben Ihn sterben gesehen. Sie haben Ihn auferstehen gesehen. Aber da war nichts, bevor der Geist Gottes über sie ausgegossen wurde, wie im Buch Joel beschrieben, halt nur in neutestamentlicher Weise, sodass sie dann fähig waren, auszuhalten und Zeugnis gaben für dieses Wort und Christus.

Es wird den von Gott Geliebten absolut nichts vorenthalten, von den Geliebten Christi. Kein geistlicher Segen wird euch vorenthalten sein. Es gibt keinen Maßstab Seiner Gegenwart, den Er euch ablehnen wird, aber ihr habt nicht, weil ihr nicht bittet! Oh, liebe Geschwister, welch ein Festmahl, welch Fülle, welch See voller Freude ist Seine Gegenwart. Und die Kraft zum Dienst zu haben, als ob wir von einander getragen werden.

Seid sehr, sehr vorsichtig. Denn obwohl ich glaube, dass ihr das Gesagte braucht, werden einige von euch so unruhig sein, und sie werden euch beim Verlassen dieses Gebäudes sagen: „Nun, er hat in den ersten 15 Minuten nicht einmal seine Bibel aufgeschlagen.“ Hört ihr nicht, dass Gott redet, dass euch im Moment biblische Dinge gesagt werden? Ich bin kein planmäßiger Theologe. Ich kenne meine Begrenzungen. Ich bin kein Gelehrter. In Seminare kann ich nicht bestehen. Daher schätze ich diejenigen, die das können. Wäre es nicht ihretwegen gewesen, so wüsste ich nicht, in welche Richtung mein Leben verlaufen wäre. Solch geniale Männer brauche ich. Ich bin keiner von ihnen, aber was ich euch sagen kann ist, DASS ICH MEIN GANZES LEBEN LANG HILFSBEDÜRFTIG WAR, UND ICH WAR SCHWACH, UND ICH WAR ZU LANGSAM, UND HATTE ANGST, ABER ES VERANLASSTE MICH, ZU I H M ZU LAUFEN! UND INDEM ICH ZU IHM LIEF, FAND ICH SOLCHE HERRLICHKEIT! DA IST SOLCH EINE KRAFT! DA IST SOVIEL LEBEN!

Ihr seht, es geht nicht darum, dass sie korrektes Denken brauchen, dass Menschen irgendwie in der Lage wären, mit ihrem Verstand zu begreifen, es muss so wie bei Hesekiel sein: „Können diese Gebeine wieder lebendig werden?“ Ihr seht, wir sollten Gelehrte sein, aber ebenso sollten wir Propheten sein. Wir sollten keine Geschäftsmänner und Verwalter sein. WIR SOLLTEN DIE KRAFT DES LEBENDIGEN GOTTES BEI UNS HABEN! UND WENN WIR DAS WORT VERKÜNDIGEN, SO VERKÜNDIGEN WIR WORTE AN TOTE MENSCHEN! ES MUSS DER GEIST DES LEBENDIGEN GOTTES SEIN, DER KOMMT UND SIE VON DEN TOTEN ERWECKT! Und wenn sie von den Toten auferstehen, so sind sie trotzdem noch nicht reif. Sie brauchen einen ausgebildeten Christus in ihnen. Sie müssen die ganze Gestalt von Christus erreichen, und dies „erfordert“ Wissen. Nochmals, unser Volk geht zugrunde durch Unwissenheit, aber,…oh mein lieber Gott, ziehe Deine Hose hoch und zeige mir Deine Knie.

War Paulus kein Fürsprecher? War er´s nicht? Oh, mein lieber Bruder, hör mir zu. Es ist NICHTS UNMÖGLICH im Gebet! Es ist nichts unmöglich! Es gibt so viele Gläubige, die Gewohnheitssünden in ihrem Leben haben und sie meinen, dass es buchstäblich für immer so sein wird. Sie sind mit ihrer Versklavung dermaßen einverstanden, anstatt auf ihre Knie zu gehen und zu Gott aufzuschreien, bis sie von der Sünde befreit sind. Als Pastoren predigen wir, und predigen, und predigen, und predigen, aber wo ist der Beweis der Kraft? Ja, Menschen werden durch Predigen verändert, aber HABT IHR JEMALS LEUTE VERÄNDERT GESEHEN, BEDINGT DURCH EUER GEBETSLEBEN? Habt ihr jemals im Geheimen ein paar Leute genannt, auf denen euer Gebet fokussiert war, und seid dabei auf eure Knie gegangen und habt gekämpft, gekämpft, und gerungen und gerungen, bis Christus in ihnen geformt wurde und ihr habt dann eine Reife, eine Glut und ein Leben gesehen, das absolut unerklärlich war abgesehen von der Macht des lebendigen Gottes?

Die meisten Geistlichen haben ihr Amt der 5th Avenue verkauft, und zur Vermarktung, und bilden kulturelle, feinfühlige, geschäftsmäßige Gemeinden! DAS IST ABSOLUT ERBÄRMLICH! Verkauft aber euer geistliches Amt nicht einfach an die Gelehrsamkeit. Ihr seid Männer Gottes! Dies bedeutet, dass ihr mit Ihm verweilt im geheimen Gebet… geheimen Gebet… geheimen Gebet. Ist die Gegenwart Gottes eine Realität in eurem Leben? Selbst diese Aussage macht einigen von euch Angst und ihr zittert. Wird er jetzt auf uns losgehen? Ist er in Wahrheit nicht einer von uns? Ist er ein wenig zu…,- auf Erfahrungen fixiert? Nochmal, geht zurück und lest eure alten Bücher. Findet jene Menschen. Oh Geschwister, wir sind weit mehr als nur Verwalter. Wir sind mehr als nur Gelehrte. Wir sind Menschen,die in der Präsenz des Allerhöchsten wohnen.

Jeder Konflikt in eurem Leben, jede Zerrissenheit eures Körpers hat ein Ziel: Es beabsichtigt, euch auf eure Knie zu bringen. Jeder Konflikt, jeder Kampf – heute wurde auf dieser Kanzel kein Kampf geführt. Er wurde an diesem Morgen bereits um 5 Uhr gekämpft. Der Kampf wird nicht hier geführt, sondern im Gebet. Er wird im Gebet gewonnen. Die Sache wird im Gebet gehandhabt. Die Sache wird im Gebet gehandhabt.

Ich möchte, dass ihr für einen Moment Lukas Kapitel 18 Vers 1 aufschlagt. „Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis dafür, dass man allezeit beten und nicht nachlässig werden solle.“ Wisst ihr, ich höre heutzutage sehr oft,- selbst unter Pastoren, die sagen: „Nun, ich habe nicht wirklich eine bestimmte Zeit für´s Gebet. Ich bete einfach die ganze Zeit über.“ Ich glaube ihnen NICHT. Denn ich habe gelernt, dass das Ausüben der Gegenwart Gottes und das praktizierende Gebet ein erlerntes Benehmen ist. Es kommt daher, wenn ihr mit eurem Gott bleibt. Was möchtet ihr denn sonst tun? Welch größeres Privileg wurde euch denn gewährt, als mit Gott zu bleiben, Ihn anzubeten, zu Ihm auszurufen, mit Ihm zu kommunizieren?

Ihr seht, wir sollen die ganze Zeit beten, aber wie sollen wir lernen, die Anwesenheit Gottes auszuüben? Wie sollen wir lernen, die ganze Zeit zu beten? Ich schlage euch die Disziplin eines abgesonderten Gebetslebens vor, indem ihr am Morgen aufsteht, früh, bevor es Tag wird! Und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass wenn wir diesen Kampf der Frömmigkeit kämpfen, eines der besten Dinge dafür folgendes ist: Man muss dahinterkommen, was das Fleisch am meisten hasst, und dies sollte man dann als Erstes tun, bevor man geschwächt oder abgelenkt wird. Früh am Morgen aufzustehen…,ich sage euch eines: mein Fleisch hasst das Beten mehr als das Bibelstudium, denn das Bibelstudium kann in der Tat zu meiner eigenen Verherrlichung sein. Ich kann dadurch mehr wissen wie andere. Ich kann besser reden als andere. Wenn ich das Wort gut studiere, dann werde ich fähig sein, auf Konferenzen zu sprechen, aber NIEMAND wird über mein Gebetsleben wissen. Ich werde von Menschen nichts profitieren, aber dafür viel von Gott. Mein Fleisch hasst das Gebet.

Eine andere Sache, besonders für euch junge Prediger: Wir sollten niemals ängstlich sein. Es belustigt mich, wenn Leute, die so sehr an die Souveränität Gottes glauben, offenbar ängstlich sind. Aber manchmal wache ich morgens verängstigt auf. Der Teufel gebraucht diese Dinge als Ablenkungen. Es kann eine eingebildete Sache sein, die in mir Unruhe verursacht. Es kann nur ein kleines Problem sein, aber es beginnt an meinem Verstand zu nagen. Also, was tue ich als Erstes am Morgen? Philipper 4:6 :“Sorgt euch um nichts…!“ Also, was muss ich tun? Ich muss den sorgenvollen Gedanken nehmen, ganz gleich welchen, und ihn sofort vor Gott bringen, und meinen Verstand von aller Sorge säubern. Jetzt stehe ich vor einem herrschenden Gott. Nun bin ich voll davon überzeugt. Und dann bete ich. Ich bete. Ich bete für was? Ich bete für alles. Für alles. Alles.

Geschwister, es gibt ein Gefühl, dass man vom predigen sozusagen „getragen“ wird. Es erscheint einem so, als ob man nicht mehr wüsste, in welche Richtung man getragen wird. Nochmals, ich will nicht sagen, dass wir keine Ausleger sein sollen, denn das müssen wir schon sein. Ich muss ein besserer Ausleger sein, ABER ihr könnt buchstäblich jedes A und O markieren, und dennoch ist keine Kraft da. Ihr wisst genau, wovon ich rede. Ihr habt Männer große Reden schwingen gehört, und trotzdem wurden eure Seelen nicht berührt. NICHTS rührte sich in Bezug auf euer Gewissen.

Jesus lehrte dieses Gleichnis speziell dafür, dass die Menschen wissen mögen, dass sie immer beten sollen. Dieses Gleichnis beinhaltet nur ein Ziel, nämlich dass ihr immer beten sollt, und der Herr predigte hier nicht etwas, was Er selber nicht praktizierte. Der menschgewordene GOTT war ein Mann des Gebets. Ist es nicht erstaunlich, dass nie einer zu Jesus ging und sagte: „Jesus, lehre uns das predigen.“ Sie sagten nicht: „Jesus, lehre uns auf dem Wasser zu gehen.“ Was sie aber sagten war: „Herr, lehre uns zu beten.“ So viele Leute sagten: „Oh, wenn ich nur etwas tun könnte, damit ich Paul in Mars Hill predigen sehen würde.“ Aber wenn ich nur etwas tun könnte, dann würde ich meinen Herrn darin vermitteln sehen. Ich würde meinen Herrn vermitteln sehen.

John Calvin sagte einmal, dass das Herz des Menschen eine Götzen-Fabrik sei. Wir können aus der Gelehrsamkeit einen Götzen machen. Wir können aus der Auslegungspredigt einen Götzen machen. Obgleich all diese Dinge in Ehren gehalten werden sollen, sind sie im Vergleich zu Ihm nur Unsinn. Die Gegenwart Christi, die Macht Christi… Jesus sagt weiter in Lukas 18:2 : „Es war ein Richter in einer Stadt, der Gott nicht fürchtete und sich vor keinem Menschen scheute.“ Nun, was sehen wir hier? Jesus stellt uns hier eine Person dar, die das Gegenteil von Gott ist. Ich meine, im Vergleich zu Gott liegt diese Person auf der anderen Seite der Skala, oder etwa nicht? Er hat keine Gottesfurcht, und scheut keinen Menschen. Es scheint keine Tugend in ihm. Ihr könnt euch diesen Mann etwa so vorstellen… ein gieriger, geiziger Mensch, mit einem begrenzten Geist und einem kleinen Herzen, der von seinem ICH und von seiner SELBSTDARSTELLUNG verzehrt wird.

Vers 3: „Es war aber eine Witwe in jener Stadt…“ Nun müsst ihr bitte verstehen, dass eine Witwe zu jener Zeit, – – so ähnlich wie heute noch an bestimmten Orten in der dritten Welt,- die notleidenste und hilfloseste Frau auf der Welt ist. Da ist niemand so verarmt wie sie, außer vielleicht ihr Kind. Keine Hilfe! Keine wirtschaftliche Kraft, keine soziale Stärke, keine politische Macht, überhaupt keine Stärke! Wenn sie auf der Straße stirbt, so würden die Leute nur sagen: „Wie bekommen wir nur ihre Leiche von uns weg? Wie können wir sie irgendwo hinschaffen, wo wir nicht länger ihre verfaulenden Gebeine sehen?“ Sie hat NICHTS. Dann steht da weiter: „Es war aber eine Witwe in jener Stadt, die kam zu ihm und sprach: ´Schaffe mir Recht gegenüber meinem Widersacher!´ Und er wollte lange nicht, danach aber sprach er bei sich selbst: ´Wenn ich auch Gott nicht fürchte und mich vor keinem Menschen scheue, so will ich dennoch, weil diese Witwe mir Mühe macht, ihr Recht schaffen, damit sie nicht unaufhörlich kommt UND MICH PLAGT.´ Wortwörtlich sagt er: „…damit sie mir nicht unter das Auge schlägt“. Jenes Wort wird gewöhnlich dafür benutzt, wenn zwei Boxer aufeinander einprügeln und einer den anderen halb tot schlägt, und dieser dann voller Beulen ist. Diese Frau aber ist HARTNÄCKIG! ABSOLUT HARTNÄCKIG; und der einzige Grund, weshalb dieser geizige, schreckliche Mann auf sie eingeht ist, weil sie immer wiederkommt, und wiederkommt, und wiederkommt. Er kann es nicht mehr aushalten. Sie ringt mit ihm.

Nun, in Vers 6 sagt der Herr weiter: „Hört, was der ungerechte Richter sagt!“ Jetzt sagt uns Jesus ganz genau, worum es in diesem Gleichnis geht. Oftmals sind die Leute so verwirrt mit Gleichnissen, denn sie suchen überall in dem Gleichnis nach der Bedeutung. Sie finden eher Kleinkram und Nebensächliches, aber ein Gleichnis,- und ich glaube, auch wenn es viel lehren kann,- ist immer darauf aus, eine zentrale Wahrheit hervorzuheben. Und Jesus wird uns diese Wahrheit nun hier zeigen. Er sagt: „Und der Herr sprach: ´Hört, was der ungerechte Richter sagt!´ Nun, was sagt er denn? Er möchte sagen: „Ich will, dass ihr über das christliche Leben und das Gebet lernt!“ Hört, was der ungerechte Richter sagt! Hört ihm zu! „…so will ich dennoch, weil diese Witwe mir Mühe macht, ihr Recht schaffen, damit sie nicht unaufhörlich kommt und mich plagt.“ Weiter steht in Vers 7: „Gott aber, wird Er nicht Seinen Auserwählten Recht schaffen, die Tag und Nacht zu Ihm rufen, wenn Er auch lange zuwartet mit ihnen?“

Eine Sache von den vielen, die ich an Charles Spurgeon so schätze ist, dass er fest und solide war, so wie man heute sagen würde, entweder „souveräne Gnade, „reformiert“, oder „1689“,… er war genau dort in der Mitte; aber wenn Spurgeon sich mit einem Text befasste, so predigte er nur den Text! Er versuchte nicht, etwas mit einer anderen Lehre in Einklang zu bringen, um angeblich jene Lehre zu schützen. Es wäre ja so, als ob wir versuchen würden, unsere Lehre vor der Schrift zu beschützen. Hört! Ich glaube, dass Gott absolut souverän gegenüber ALLEM ist, und Er ordnete alles an bevor die Welt erschaffen wurde, und dieser Glaube führte mich in mehr Probleme als alles andere, aber ich weiß, es ist schriftgemäß und trotzdem weiß ich gleichzeitig, dass ich nicht habe, weil ich nicht bitte! Und ich kann es NICHT erklären! Ich wurde nicht dazu berufen, es zu erklären. So geht es auch mit einer Vielzahl von anderen großartigen Lehren der Schrift.

Anstatt meine wenigen Jahre auf diesem Planeten zu versuchen, alles in meinem Kopf angeblich in Einklang zu bringen, so sollte ich einfach nur gehorsam gegenüber den einfachen Wahrheiten sein. An einem souveränen Gott festzuhalten, denn abgesehen von Ihm gibt es keine Hoffnung für Mensch, Universum, oder der ganzen Schöpfung. Daran will ich festhalten! Denn das ist meine Gewissheit und meine Stärke und die einzige Möglichkeit zu wissen, dass ein Gebet erhört werden kann. Und dennoch, dieses große Mysterium scheint über meinen Verstand hinauszugehen, sodass mir gesagt wird : „Ich habe nicht, weil ich nicht bitte!“ Mir wird gesagt, ich soll vor meinem Gott das tun, was diese Witwe vor diesem schrecklich ungerechten Mann tat.

Jakob, er rang mit Gott. „Ich werde Dich nicht loslassen, bis Du mich segnest.“ Auf eine Art erfreut sich Gott an dieser Form des Glaubens. Irgendwie findet Gott gefallen daran, mit Seinen Leuten zu ringen, besonders mit einem Mann, oder Frau, oder Kind, die dem alles glauben! Soweit zu glauben, um zu bitten, und zu bitten, und zu bitten, und zu bitten. In Vers 8 sagt Er weiter: „Ich sage euch: Er wird ihnen schnell Recht schaffen! Doch wenn der Sohn des Menschen kommt, wird Er auch den Glauben finden auf Erden?“ Nun, ich sage euch, Er wird ihnen schnell Recht schaffen. Und wenn wir schon durch das Buch der Psalmen gehen, wo ihr lernen könnt, wie man betet… so fangt aber zuerst mit dem Herrn Jesus Christus an, und geht dann zu den Psalmen, und anschließend zum Apostel Paulus. Dann werdet ihr lernen, wie man betet.

Aber wenn wir in das Buch der Psalmen schauen, so entdecken wir etwas, was dem zu widersprechen scheint. Er sagt, dass der Herr ihnen schnell antworten wird, der Herr wird ihnen schnell verkündigen. Gehen wir jedoch ins Buch der Psalmen, so wird uns gesagt, dass David Tag und Nacht wartete. „Wie lange, oh Herr? Das ist der Ausruf Davids und der Propheten. Da ist dieses Warten, dieses Aushalten, dieses Ringen, diese Beharrlichkeit im Gebet. Wie kann das denn sein? Nun, ich weiß und ihr alle wisst es auch, wie häufig dies in der Schrift passiert, und wie oft es auch in eurem eigenen Leben schon passiert ist. Ihr ruft aus zum Herrn, ihr ruft zu Ihm aus, aber da ist diese Verzögerung. Ihr seid hartnäckig, aber es zögert sich hinaus. Und ihr ruft einfach weiter aus zu Gott, aber ein Verzug folgt dem nächsten, aber wenn Er aktiv wird, ist die Angelegenheit innerhalb weniger Sekunden erledigt. Wie der Kampf gegen Midian mit dem Kommen des Messias verbunden wird, so wie man in jenem Kampf keinen Finger krümmen musste, keine Fackel anzündete oder einen Kiefer brach, so wurde der Kampf dennoch gewonnen! Und weshalb wurde Er so schnell aktiv? Ich werde euch genau sagen, wieso. Sodass sich kein Mensch rühmen konnte, dass es auf seine eigenen Werke basierte, oder auf andere Zufälligkeiten.

Nun, das ist für junge Leute sehr wichtig. Lernt diese Lektion. Wenn ihr eine übernatürliche, wundersame Befreiung erlebt, bewirkt durch Gottes Hand allein durch Gebet, wenn dies eintrifft, so werdet ihr glauben, ihr werdet es sehen und wissen, dass es von Gott kam, und ihr werdet euch daran erfreuen. Aber dann, nicht sofort am nächsten Tag, nicht einmal die nächste Woche, womöglich nicht einmal im nächsten Monat, aber innerhalb 1-2 Jahre wird folgendes passieren: der Täuscher wird kommen und er wird euch auf etwas hinweisen: „Weißt du noch als du jung warst, als du gedacht hast, dass Gott etwas wunderbares getan hätte, aber die Sache kann man ganz einfach auf natürliche Weise erklären.“ Habt ihr das schon einmal erlebt? Habt ihr schon erlebt, wie Gott unter euch ein großes Wunder vollbracht hat und dann wartet der Satan immer eine Weile, denn er ist äußerst gerissen. Ein paar Jahre vergehen, und er fängt an euch davon zu überzeugen, dass alles nur jugendlicher Eifer war, Fanatismus, alles ganz natürlich erklärt. Daher, als Gott Israel große Taten der Befreiung erwies, da sagte Er ihnen: „Sammelt einen Haufen Steine“, „schreibt die Geschichte nieder“, „vergesst niemals, niemals, niemals!“ Der Dieb kommt um zu stehlen, selbst das Zeugnis Gottes von uns .

Wisst ihr, einige von euch sind vielleicht länger im Dienst als ich auf der Welt. Ihr kennt die großen Werke Gottes. Einige aber von euch haben diese Werke vergessen, und ihr müsst zurückgehen, und ihr müsst euch wieder daran erinnern, und erinnern, und erinnern, sodass ihr beim nächsten Mal, wenn Befreiung gefordert wird, wissen möget, dass ihr einem Gott dient, der Menschen befreit! Ein Gott, der Sein Volk errettet.

Nun, „Doch wenn der Sohn des Menschen kommt, wird Er Glauben finden?“ Den Glauben? Vielleicht den christlichen Glauben? Womöglich jenen Glauben, der durchhält? Wird Er diesen Glauben auf Erden finden? Ich möchte jetzt nicht zu dramatisch werden, oder irgendetwas in den Text hineininterpretieren, aber es scheint so, als ob sich an dieser Stelle die Stimmung oder Haltung des Herrn ändert. Es ist fast so, als ob Er sagen würde: „Hört mir zu, ihr Leute, Hört mir genau zu! Ich habe euch in die Gemeinschaft mit einem Gott gebracht, der Gebete erhört. Jederzeit, wenn ihr in Meinem Namen bittet, so wird Er es tun. Erfreut euch an dem, was Gott durch Gebet bewirken wird!“ Dann aber hält Er plötzlich inne,- ein Moment des Nachdenkens,- und sagt: „Aber nochmals, wenn ich zurückkommen werde, wird irgendjemand glauben, was ich gesagt habe?“ Werdet ihr glauben? Ich werde euch sagen, wie sehr ihr glaubt… Wie oft bittet ihr? Wie lange haltet ihr durch? Leute, ist es in eurem Leben nicht wahr, dass ihr mit dem Fleisch gestritten und gerungen habt, und ihr habt daran gearbeitet und wart auch ehrlich dabei, und ihr habt in eurer eigenen Stärke gekämpft, und gekämpft, und gekämpft… und konntet nichts erreichen. Am Ende seid ihr dann ins Gebet getrieben worden.., man investierte offensichtlich so wenig Gebet für die Sache, die man gelöst haben wollte: „Nun, die einzige Zuflucht, die wir noch haben, ist das Gebet.“ Was für eine gotteslästerliche, dreckige Aussage.

Oh, geht ihr in die Kammer und erwartet? Tut ihr das? Bittet ihr voller Erwartung? Nun, wir haben hier ein Problem, das ich behandeln möchte, und es tut mir sehr leid. Eigentlich wollte ich über 1. Korinther 15 predigen, aber lasst uns für eine Sekunde in den Hebräerbrief Kapitel 11 schauen. Ich möchte etwas klären, zumindest in meinem kindlichen Glauben, in meiner einfachen Art zu denken. Dies hat meinen Verstand beeinflusst. Hebräer 11 Vers 1: „Es ist aber der Glaube ein Beharren auf dem, was man hofft, eine Überzeugung von Tatsachen, die man nicht sieht.“ Nun, dieser Text ist… ich meine, er ist ein ganzes Buch wert. Verschiedene Bücher könnten darüber geschrieben werden, und es wurde auch gemacht. Dies ist so weise, denn die Frage, zu der wir daraus geleitet werden, ist folgende: „Wie kann ich Gewissheit haben bezüglich dessen, worauf ich hoffe? Und wie kann ich von etwas überzeugt sein was ich nicht gesehen habe?“ Denn eure Angst gegenüber der großen Mehrheit, die heute behauptet, sie habe Christus, die sich über Ihn anmaßt, ist schon Recht begründet. Sie verlangen, vermuten und garantieren Dinge von denen sie nicht das Recht haben, sie zu garantieren. Das wissen wir. Manchmal sage ich mir: „Ich denke, die Charismatiker glauben an Dinge, die Gott nie zugesagt hat. Die reformierten Leute aber glauben nicht einmal, was Er zugesagt hat.“

Nochmals, Geschwister, ich könnte hier her kommen und es würde mir nichts Gutes bringen, ein theologisches Studium zu machen, ihr habt mehr Wissen als ich. So habt einfach für eine Weile Geduld – vielleicht ist es etwas, was ihr hören solltet. Wisst ihr, vor einigen Jahren habe ich etwas entdeckt,- manchmal höre ich Männer wie John Piper, und ich lese Iain H. Murray, der unter den modernen Leuten einer meiner Favoriten ist, und ich liebe John Flavel, sein erster Band. Spurgeon ist mein absoluter Liebling. Aber nach einiger Zeit fangt ihr an, etwas zu entdecken. Ich entdecke im Grunde nicht wirklich etwas Neues. Selbst wenn es diese Männer auf solch großartige Weise sagen. Aber wisst ihr, vor einigen Jahren war ich auf einer Versammlung, und bevor ich redete, baten sie 6 Neubekehrte nach vorne zu kommen, um ihr Zeugnis zu geben. Sie wurden zwischen sechs Monaten und einem Jahr gerettet. Und als sie nach oben kamen, da habe ich nichts Neues gelernt, erinnerte mich aber an viele Dinge, die ich bereits vergessen hatte. Ihren Eifer, ihren kindlichen Glauben, ihre Leidenschaft. Ja, manchmal sehen sie Gott so, wie manche Leute Tierfiguren in den Wolken sehen. Tiere, die gar nicht da sind. Ja, manchmal tun sie eine Vielzahl von unsinnigen Dingen, aber waren jene Zeiten nicht wundervoll? Ihr habt Gott geglaubt! Es war neu. Es war erfrischend. Es war nicht einfach in irgendeiner These beinhaltet. Es war eine lebenswichtige Beziehung. Vielleicht hat mich Gott deswegen heute hier her geschickt… zu denjenigen, so wie ein Neubekehrter „euch“ ansprechen würde, die ihr doch so viel mehr wisst… zurückzukehren, einfach zurückzukehren.

Ich habe keine Angst davor, Fehler in meinem Gebetsleben zu begehen, denn ich diene einem Gott der Gnade. Hier aber ist etwas erstaunliches in dieser Passage. Da steht: „Es ist aber der Glaube ein Beharren auf dem, was man hofft, Eine Überzeugung von Tatsachen, die man nicht sieht.“ Nun, wir können wir das tun? Wie können wir Gewissheit haben? Überzeugt von Tatsachen, die man nicht sieht? Es gibt nur einen Weg… Das Wort Gottes. Das Wort des lebendigen Gottes, die Bibel. Mein Körper schmerzt die meiste Zeit. Meine rechte Hand ist jetzt taub. Ich habe Probleme mit meiner Wirbelsäule und meinem Nacken, und seit Jahren hat mich der Herr nicht geheilt. Ich setze es auch nicht voraus. Ich möchte Ihn auch eigentlich nicht wirklich wirken lassen. Aufgrund meiner Schmerzen wurde so viel geerntet, dermaßen viele Segnungen. Aber Er verspricht niemals in der Schrift, speziell Paul Washer zu heilen. Er kann, und Er heilt Menschen. In diesem großen Mysterium und Seiner Weisheit, da heilt Er nicht jeden. Darin bin ich zufrieden, denn mein Herr weiß, Er weiß was wir benötigen, schon bevor wir Ihn bitten. Ich habe aber eine große Zusage, nämlich: „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass Er Seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an Ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ (Johannes 3:16) DARAUF BESTEHE ICH! DAFÜR WÜRDE ICH STERBEN! DARAUF BEGRÜNDET WÜRDE ICH ERWARTEN, AUF EINEM SPINNENNETZ IN DIE EWIGKEIT ZU BAUMELN! Ohne jegliche Angst! Ihr seht, wir haben eine große Überzeugung und eine große Hoffnung. Und wieso? Denn „So spricht der Herr“!

Aber jetzt kommt das Problem, zumindest in meinem Kopf: „ Nun denn, Herr, wie soll ich denn für jemanden beten, der krank ist? Wie soll ich das aus dem Glauben heraus tun? Wie soll ich für bestimmte Dinge beten, die mein erneuertes Herz und mein erneuerter Verstand begehrt? Wie kann ich für solche Dinge beten?“ Denn es gibt eine Anzahl von Dinge, die hauptsächlich nicht in diesem Buch verheißen werden. Nun, ich weiß, was so viele Leute schon gehört haben; jenes Klischee, was ich nicht mag: „Gott erhört immer Gebete, aber manchmal ist Seine Antwort einfach ´Nein´.“ Das mag ich nicht. Damit stimme ich nicht überein und ich denke, es führt zu Missverständnissen. Nun, hier ist etwas, was ihr sehen sollt. Für all die großen Zusagen, die sich in der Schrift finden,- Brüder und Schwestern,- betet sie. Betet diese Zusagen. Betet sie. Die Verheißungen bezüglich der geistlichen Dinge, damit meine ich vor allem Epheser 1 – betet dies für eure Frauen, betet dies für eure Gemeinde! Oh, die Eigenschaften in 1. Timotheus 3 für einen Ältesten, oder eine gereifte Person in der Gemeinde… betet dies für euren Pastor! Das sind Dinge, von denen wir wissen, das sie dem Willen Gottes entsprechen. Aber wie soll ich beten, wenn ich unsicher bin? Wenn ich keine bestimmte Verheißung habe, wie kann ich da aus Glauben beten? Auf folgende Weise kann ich aus Glauben beten: In Hebräer 11:6 finden wir: „Ohne Glauben aber ist es unmöglich, Ihm wohlzugefallen, denn wer zu Gott kommt, muss glauben, dass Er ist und dass Er die belohnen wird, welche Ihn suchen.“

Mein Glaube ist nicht, dass Gott jene spezielle Sache erfüllen wird, um die ich Ihn bitte. Nun, ihr meint jetzt bestimmt, die Alternative ist: „Ja, vielleicht sagt Er ´Nein´ “. Nein, das glaube ich nicht. Gott mag nicht die Sache umsetzen, für die ich Ihn bitte, aber Er wird den Glauben belohnen. Er wird etwas tun. Es wird einen Gewinn bringen, wenn man Gott in dieser Hinsicht sucht. Wenn ich einen heiligen Mann sehe, der krank ist,- ich habe einen dieser Männer, die ich auf dieser Welt sehr verehre, der momentan an Bauchspeicheldrüsenkrebs stirbt. Ich bitte Gott darum, diesen Mann zu heilen! Ich flehe Gott an, ihn zu heilen! Wieso? Weil es das ist, was ich begehre! Es ist das Verlangen meines Herzens! Ja, ich ruhe in Seiner Souveränität. Nein, ich habe kein sicheres Wort darauf, aber ich bitte Gott darum, ihn zu heilen. Aber eines weiß ich: WENN GOTT IHN NICHT HEILT, SO WIRD GOTT DENNOCH MEIN BETEN WÜRDIGEN! ER WIRD ES BELOHNEN! ER WIRD JENEM MANN ETWAS GEBEN,-AUFGRUND MEINER GEBETE,- ER WIRD IHM WEITAUS WICHTIGERES GEBEN, ALS WAS ER NÖTIG HAT! GOTT BELOHNT IMMER EIN GEBET DURCH GLAUBEN! Seht, ich kann zu Gott gehen und nicht wirklich einschätzen „Ist dies Sein bestimmter Wille? Ist mein Bitten einwandfrei? Wie mache ich mich, Herr? Habe ich alle theologischen Leitsätze befolgt?“ Nein, das muss ich nicht. Ich folge den Wünschen meines Herzens. Ich erbitte von Gott, was ich in der Schrift sehe, was in meinem eigenen Herzen ist, und ich weiß, dass selbst wenn ich eigenwillig bin, und die Sache, die ich begehre, nicht zu bekommen ist, so weiß ich, dass Gott es belohnen wird, und da werden Entscheidungen im Himmel getroffen. Da werden Dinge getan werden. Und es wird Belohnungen dafür geben, Sein Angesicht zu suchen. Daraus folge ich nun dies: Gott antwortet auf Gebete, es ist immer ein Ja. In Seiner Weisheit mag Er nicht alles tun, worum ich bitte, aber wenn ich Ihm vertraue, mein Vertrauen in Ihn setze, so weiß ich, dass Er ein Belohner derjenigen ist, die Ihn suchen.

Gott, ich komme zu Dir. Wir gründen eine Gemeinde in Radfort. Gott, ich komme zu Dir. Ich betete dafür, dass Du Älteste vorbringen würdest. Dafür habe ich gebetet. Ich weiß wirklich nicht, was als Erstes kommen sollte. Ich weiß nicht, wie ich mit der Situation umgehen soll. Herr, Du sollst nur wissen, ich habe mich selbst an Deiner Schwelle gestellt, ich schaue auf zu Dir, und hier bleibe ich. Auch wenn ich nicht weiß, um was genau ich Dich bitten soll, so bleibe ich dennoch hier als ein Zeichen dafür, dass ich vollkommen von Dir abhängig bin, und ich glaube, dass selbst wenn ich nicht weiß, worum ich bitten sollte, Dass DU der BELOHNER derjenigen bist, die DICH suchen! Oh Geschwister, da ist soviel Trost und Stärke. Nun seht ihr, was das Ringen und die Rangelei mit Gott bedeutet, und dabei trotzdem die volle Zuversicht in Seine Souveränität zu haben.

Geschwister, da gibt es diese John Pipers und John MacArthurs und all jene Leute. Ich bin einer, der nur für eine Predigt berühmt ist. Im Gebet aber, wisst ihr, es ist so beängstigend, hier zu sein. Aber es ist nicht beängstigend, fortzulaufen und im Schatten des Allmächtigen zu bleiben, und von Seinem Arm bedeckt zu werden. Dass ist es nicht. Euer Problem ist nicht, dass ihr zu schwach seid. Euer Problem liegt darin, dass ihr zu stark seid. Ich ermutige alle jungen Männer, indem ich sage: „Lernt Griechisch, lernt Hebräisch, lernt Systematik, lernt die Kirchengeschichte, lest die alten Bücher, die ganz, ganz alten Bücher.“ Ich muss ihnen aber auch sagen, dass es zwar alles einen Nutzen hat, das es grundlegend ist, aber was ihr braucht ist LEBEN. IHR BRAUCHT LEBEN.

Würde es euch fremd vorkommen, wenn jemand eine Schwachheit in sich selbst verspürt und sich dann für drei oder vier Tage oder für zwei Wochen ins Fasten und Gebet zurückzieht? Würde es euch fremd vorkommen, wenn ein Problem in der Gemeinde aufkommt und anstatt dass alle es anpacken,- alle gleichzeitig in ihrer eigenen Weisheit,- dass ihr euch ins Gebet absondert, um mit Gott in dieser Angelegenheit zu ringen? Oder wenn man euch eine Frage stellt, worauf man eine Antwort erwartet, dass ihr dann sagt: „Darf ich Zeit haben, darüber zu beten?“ Oh Geschwister… Geschwister, euer Erbe… es sind keine Ländereien, es sind keine Autos, und auch keine schicken Häuser. Euer Erbe ist am Hofe Gottes zu wohnen. In erster Linie seid ihr Menschen, die am Hofe Gottes wohnen. „Oh Du süße Stunde des Gebets, Du süße Stunde des Gebets, die mich von einer Welt der Sorge ruft.“ (Lied von William W. Walford, „Sweet hour of prayer“, 1845)

Ich sage jungen Männern immer, die selbst nicht viel beten und wenn sie fragen ´Wie soll ich denn beten?´, ich dann sage: „Betet, kämpft solange, bis ihr ehrlich mit dem Liederschreiber einstimmen könnt „Oh Du süße Stunde des Gebets, du süße Stunde des Gebets, ich widme dem Herrn meine erste Stunde, die süße Stunde des Gebets.“ Und dann, ihr seht, Beten ist etwas erstaunliches, denn je weniger ihr betet, desto schwieriger wird es zu beten. Aber je mehr ihr betet, so werdet ihr durch´s beten getragen. Geschwister, ihr könnt beten bis ihr denkt ´Wo ist nur die Zeit geblieben? Um 5 Uhr ging ich auf die Knie, jetzt ist es schon 8:30 Uhr. Was ist nur passiert?´ Oh Geschwister, bitte! GEBT EUCH HIN INS GEBET! ES GIBT ABSOLUT KEIN HINDERNIS, DAS NICHT DURCH GEBET ÜBERWUNDEN WERDEN KANN! WIR SIND KEINE MENSCHEN, DIE SICH EINFACH DER FINSTERNIS ERGEBEN UND DANN SAGEN: „…HALT WEGEN DER SOUVERÄNITÄT GOTTES“! WIR SIND MENSCHEN, DIE DIESE FINSTERNIS BEKÄMPFEN! SCHIEBT IHR DEN GANZEN SCHLAMASSEL EINFACH AUF GOTT? GEBRAUCHT DIE SOUVERÄNITÄT GOTTES NICHT EINFACH ALS AUSREDE! WIR SIND MENSCHEN, DIE GOTT GLAUBEN!

Eure Eschatologie mag nicht tausendjährig währen. Ja, alles wird irgendwie großartiger und schöner, das mag sein… Eure Lehre der Eschatologie könnte aber auch sein, dass alles schlimmer und schlimmer werden wird, bis Jesus kommt. Lasst mich euch eines sagen: Jesus könnte heute Abend kommen, Jesus könnte aber auch erst in 1000 Jahren kommen! Darüber habe ich keine Auskunft, und auch ihr nicht. MERKT EUCH, ES GIBT KEINE STELLE IN DER SCHRIFT, DIE BESAGT DASS ICH IN MEINEM LEBEN NICHT GANZE VÖLKER ZU CHRISTUS KOMMEN SEHEN KANN! WARUM NICHT? WIESO NICHT? Warum kann ich nicht erleben, wie Indien nachgibt und auf jedem Hügel eine Flagge für Christus steht? Gott hat mir das nie gesagt. Warum muss ich akzeptieren, dass Amerika immer dunkler und dunkler wird? GOTT HAT MIR DAS NIE GESAGT!

Ihr mögt mit den Anhängern des Millennialismus nicht übereinstimmen, aber eines sage ich euch: sie haben viel mehr vollbracht, oder etwa nicht? Sie haben geglaubt, dass Gott etwas tun würde. Ungeachtet eurer Eschatologie, bis ihr ein Wort von Ihm bekommt, das der Rest von uns nicht kennt. Schaut, wir setzen unsere Füße in Gang, wir kämpfen im Gebet, und wir kämpfen auf der Kanzel! Das ist es, was wir tun. Wir erwarten von Gott, dass Er etwas tut. „Bruder Paul, warum bist du so traurig?“, fragte mich einmal mein Übersetzer in Holland. „Warum bist du heute Abend so traurig?“ Ich antwortete: „Weil sich heute Abend niemand bekehrt hat!“ Wir müssen glauben… Meine Herren, die Verheißungen, und nicht nur die Regeln. Die Verheißungen, die Zusagen. Sie sind hier drin. Ein Licht, das in der Finsternis leuchtet, und die Finsternis konnte es nicht fassen. Die Kraft des Evangeliums. Ich glaube, dass eines der größten Beweise dafür,- wenn nicht der größte Beweis aller Zeiten, nicht die Erschaffung der Welt, sondern die Erschaffung des neuen Menschen ist. Das Resultat der Wiedergeburt, das in unserer Zeit verloren zu sein scheint, ist der allergrößte Beweis für die Stärke Gottes! Er hat die Welt aus dem Nichts erschaffen, und das ist schon erstaunlich. Aber Er erschafft einen neuen Menschen aus einer verdorbenen Menschheit! Das ist Macht! Also weshalb sollte ich nun nicht glauben, dass Gott solche Macht durch die Bekehrung von Menschen vorführt? Lasst uns kämpfen um die Bekehrungen von Menschen! Lasst uns kämpfen für die Gründung biblischer Gemeinden. Lasst uns auf unsere Knie kämpfen und lasst uns an Gott glauben! Es gibt so viel zu glauben.

Noch ein letztes Wort. Ich weiß, dass ich etwas überzogen habe, aber seid vorsichtig, dass ihr nur betet, wenn ihr eure Stiefel angezogen habt. Diese Aussage von Alexander MacLaren habe ich vor Jahren gelernt. Er sprach darüber, wie er in seinem Studium seine Stiefel an hatte. Dies brachte mich zum nachdenken. Er sprach dabei über…was? Dass die Vorbereitung für das Predigen eine harte Arbeit ist. Dann dachte ich: „Muss ich also immer mit meinen angezogenen Stiefeln zur Bibel kommen? Muss ich immer mit angezogenen Stiefeln zu Gott kommen?“ Was ich damit sagen will ist, dass wenn die Bibel für euch nur zu einer endzeitlichen Arbeit wird und ihr euch dem Wort nur mit angezogenen Stiefeln nähert, so seid ihr in Gefahr, eine Beziehung zu verlieren. Also komme ich zu dem Wort mit angezogenen Stiefeln. Ich habe aber mit dem Text gerungen, meine Stiefel auszuziehen und in der Schrift zu wandeln, mich an ihr zu begeistern, mich einfach an ihr zu wärmen und mich an der Bibel zu erfreuen.

Die Bibel ist kein Rätsel-Buch, wo ihr alles ergründen müsst, sondern sie ist ein Buch, an dem ihr Freude haben solltet. Freude am Wort Gottes zu haben. Und genauso ist es mit dem Gebet. Ja, ich sage euch: ein fürbittendes Gebet ist Schwerstarbeit. Lasst euch von niemanden auf den Arm nehmen. Die meisten Leute beten nicht, weil sie meinen, dass es zu einfach wäre, für Leute zu beten. Nein. Fürbitten ist schwer, und das ist das Beten mit angezogenen Stiefeln. Und das müsst ihr tun. Wenn aber alles, was ihr tut, nur beten mit angezogenen Stiefeln ist, so steht ihr in der Gefahr, eine Beziehung zu verlieren, nämlich mit Ihm zu wandeln, einfach mit Ihm zu wandeln, sich an Ihm zu erfreuen, über Ihn nachzudenken und mit Ihm zu reden. Oh, mein lieber Freund, preise Ihn einfach für das Gras, und für die Bäume. Ich meine, dieser Planet sollte eigentlich aussehen wie die Bühne des Theaterstückes „Warten auf Godot“, also alles sollte grau und hässlich sein. Es sollte hier keine Freude geben. Aber die Tatsache, dass es dennoch Freude gibt ist erstaunlich. Wir erfreuen uns an unseren Kindern, laufen neben ihnen her und erfreuen uns an Gott. Habt nicht nur fürbittende Gebete, sondern habt Gemeinschaft. Oh, es ist so schön, manchmal Morgens aufzustehen, und einfach zu sagen: „Herr, können wir heute nicht einfach die Arbeit der Fürbitte an die Seite legen? Ich möchte mit Dir einfach den Bach entlang gehen; ich möchte einfach nur mit Dir reden. Ich liebe Dich so sehr. Du warst so gut zu mir, Gott.“ Sich einfach den Sonnenuntergang anzuschauen und zu sagen: „Gott, wie hast Du das gemacht? Welchen Pinsel hast Du benutzt? Es ist dass Allerschönste, was ich je gesehen habe.“ Geschwister, nehmt euch einfach zu Herzen, was gesagt wurde. Betet darüber. Schau, ob der Herr vielleicht heute zu DIR PERSÖNLICH etwas gesagt hat.


© http://illbehonest.com/german/beharrlichkeit-im-gebet-paul-washer

 

 

Wie Gott uns Freude gibt und ermutigt (Paul Washer)

Unwise Sheep

Paul Washer bringt uns hier absolut grundlegende und wichtige Prinzipien nahe, die wir aber oft nicht anwenden – mit der Folge, dass unsere Freude und unsere Bereitschaft, Gott zu lieben, nur sehr begrenzt vorhanden sind.

Der Text zum Video als .pdf:

https://lannopez.files.wordpress.com/2016/03/pw_-wie-gott-uns-freude-gibt-und-ermutigt.pdf

Vezi articol original

Der Kontext von Römer 7.

Der Kontext von Römer 7, Spricht Paulus darüber, als er verloren oder errettet war?

von am 2016-02-23 / Kategorie: Artikel

Der folgende Artikel ist eine Ergänzung zu Römer 7 aus dem Buch „Justification & Regeneration“ von Charles Leiter.

Der Kontext von Römer 7, Spricht Paulus darüber, als er verloren oder errettet war?

Es würde ein ganzes Buch beanspruchen, um die Streitfragen, die Römer 7 umgeben, zu behandeln. Daher können nur ein paar Richtlinien für die Auslegung hier nahegelegt werden,

1. Römer 7 geht genau da weiter, wo Römer 6 aufhört und erweitert die Themen, die dort vorgestellt werden.

Laut Römer 6 ist der Christ „der Sünde gestorben“1 aufgrund der Vereinigung mit Christus; daher ist er von der Sünde „freigesprochen“2, sodass sie keine „Herrschaft“3 mehr über ihn hat. Das Resultat, wenn man der Sünde gestorben ist, ist ein „Dienst“4 für Gott, der als „Frucht“5 die Heiligung hervorbringt. Paulus wiederholt diese Erfolgsstruktur in Römer 7, der Christ ist „dem Gesetz gestorben“6 aufgrund seiner Vereinigung mit Christus; daher ist er von der Sünde „freigesprochen“7, sodass sie keine „Herrschaft“8 mehr über ihn hat. Das Resultat davon ist ein „Dienst“9 für Gott, der „Frucht“10 vor Gott bringt. Kurz gesagt, Paulus ist in Römer 6 „in die Höhe geflogen“, und in Römer 7 „fliegt er weiter nach oben“!

Das wahre Ziel von Römer 7 liegt darin, Paulus´ Aussage in 6,14 zu erklären und zu erweitern, „Denn die Sünde wird nicht herrschen über euch, weil ihr nicht unter dem Gesetz seid, sondern unter der Gnade.“ Nach Aussage dieses Verses ist die Befreiung von der Herrschaft der Sünde das direkte Ergebnis der Tatsache, dass wir nicht länger „unter dem Gesetz“ sind. Die erste Frage, die wir zu beantworten haben, ist diese, „Wie ist es geschehen, dass Christen nicht weiter „unter dem Gesetz“ sind? Paulus beantwortet diese Frage in 7,1-4. Die Christen sind aus dem Bereich des Gesetzes herausgekommen; sie sind dem Gesetz gestorben durch ihre Vereinigung mit Christus. Die zweite Frage, die wir zu beantworten haben, ist folgende, „Warum ist die Befreiung vom Gesetz notwendig, um unsere Erlösung von der Sündenmacht zu sichern?“ Oder umgekehrt, „Warum ist die Befreiung von der Herrschaft der Sünde unmöglich für all jene, die noch immer unter dem Gesetz sind?“ Paulus gibt die Antwort darauf in 7,5-25. Alle, die noch immer „unter dem Gesetz“ sind, sind auch immer noch „im Fleisch“ (v.5). Das Gesetz erregt und stärkt offenbar die Herrschaft der Sünde über solche, die im Fleisch leben; es lässt sie in einem Zustand der Knechtschaft und des Todes (v5, 7-25).

(1Römer 6,2, 11   2Römer 6,7, 18, 22   3Römer 6,14 (Gr. „Herrschaft”, „beherrschen”) 4Römer 6,22   5Römer 6,21-22 (Gr. „Frucht”)   6Römer 7,4   7Römer 7,6, 2-3 8Römer 7,1 (Gr. „Herrschaft”, wie in 6,14)   9Römer 7,6  10Römer 7,4)

2. Es ist absolut wichtig zu erkennen, dass Paulus nur von zwei Gruppen spricht – jene, die „unter dem Gesetz“ („im Fleisch“) sind und solche, die sich „unter der Gnade“ („im Geist“) befinden.

Die Eigenschaften dieser zwei Gruppen werden beide vor (7,5-6) und nach (8,1-4) Paulus´ Diskussion in Römer 7,7-25 zusammengefasst. Das bedeutet, dass Paulus in den Versen 14-25 nicht den „fleischlichen Christen“ beschreibt, der noch nicht „in Römer 8 angelangt“ ist, wie uns die Ansicht des „tiefen Lebens“ von Römer 7 erzählt. Alle Christen befinden sich „in“ Römer 8, genauso wie alle Christen sich ebenfalls „in“ Römer 6 und „in“ Römer 7 wiederfinden.

3. Paulus hat bereits detailliert den Zustand jedes einzelnen Christen in Römer 6 und in Römer 7,1-6 beschrieben. Wir können diese Beschreibung nicht einfach ignorieren, wenn wir zur letzten Hälfte von Römer 7 kommen.

Gemäß Römer 6 und Römer 7,1-6 wurden alle Christen „von der Sünde befreit“ und sind „Sklaven der Gerechtigkeit“1geworden. Die „Sünde soll nicht herrschen über“ die Christen, da sie „nicht unter dem Gesetz, sondern unter Gnade“2stehen. Die Christen „sind einem anderen zu eigen geworden, nämlich dem, der aus den Toten auferweckt worden ist, damit sie Gott Frucht bringen“3. Sie sind „aus den Toten lebendig geworden“4. Sie sind „nicht länger im Fleisch“5. Sie „dienen im neuen Wesen des Geistes und nicht im alten Wesen des Buchstabens“6. Die Auffassung, dass Römer 7,14-25 eine Beschreibung eines „Christen in seiner besten Form“ ist,- selbst von Paulus, während er gerade diesen Brief schreibt,- ist somit ein Widerspruch zu all dem, was Paulus bis an diese Stelle geschrieben hat. Wie können wir Römer 6 und 7,1-6 lesen und dann immer noch behaupten, dass alle wahren Christen in Wirklichkeit „fleischlich, und unter die Sünde verkauft“7 sind! Es ist höchst bedeutsam, dass diese Ansicht von Römer 7 zu dem „elenden Mensch“ Gedanken des christlichen Lebens geführt hat, wo „Erbärmlichkeit“ und Geistlichkeit fast gleichgestellt sind, und je heiliger wir werden, desto „erbärmlicher“ sind wir. Wie sagte einmal ein Schreiber, „Dieses Stöhnen ´Ich elender Mensch! ´ drückt die normale Erfahrung eines Christen aus. Sollte nämlich ein Christ nicht so seufzen, so befindet er sich in einem unnormalen und ungesunden geistlichen Zustand. Der Mensch, der nicht diesen Schrei täglich von sich gibt, hat entweder keine Gemeinschaft mit Christus, oder ist so unverständig der Lehre der Schrift gegenüber, oder lässt sich dermaßen von seinem gegenwärtigen Zustand täuschen, sodass er nicht die Verderbtheit seines eigenen Herzens kennt, und auch nicht das erbärmliche Versagen seines eigenen Lebens.“8

(1Römer 6,18   2Römer 6,14   3Römer 7,4   4Römer 6,13   5Römer 7,5 6Römer 7,6   7Römer 7,14 8A. W. Pink, „Der Christ in Römer 7” „Derjenige, der wahre Gemeinschaft mit Christus hat, wird…dieses Stöhnen… täglich und stündlich von sich geben.”)

Es ist wahr, dass in diesen Tagen des oberflächlichen „einfachen Glaubens“ und der „dürftigen Buße“ viele bekennende „Christen“ dringend eine Aufdeckung ihrer eigenen, inneren Verdorbenheit und Verderbtheit brauchen.1 In diesem Fall würde es viele zu bitteren klagen2 und echter Bekehrung führen. Aber jedes wahre Kind Gottes, welches schon sehr weit auf diesem Pilgerpfad gewandert ist, weiß bereits einiges bezüglich seiner eigenen Erbärmlichkeit und Schändlichkeit, abgesehen von der verwandelnden Macht von Christus. Anstatt zu beten, dass Gott uns „eine Anschauung auf unsere eigene Verdorbenheit und Unwürdigkeit gibt, sodass wir in der Tat vor Ihm im Staub kriechen“3, wäre es da nicht biblischer, Gott um eine Anschauung der Auferstehung Christi in uns4 und unserer neuen Natur in Ihm5 zu bitten, damit wir in die „himmlischen Regionen“ fliegen und Ihm freudig dienen mit unserem neuen Leben?

Einige Theologen haben versucht, dieser Ansicht des „elenden Christen“ in Römer 7 zu entfliehen, indem sie sagen, dass obwohl Paulus hier von seiner eigenen, gegenwärtigen Erfahrung als Gläubiger spricht, er bloß die Tatsache beschreiben würde, dass „kein Christ so heilig ist, wie er sein möchte.“ Nach dieser Ansicht lehrt Römer 7 nur, dass „was der Christ anstrebt, liegt immer außerhalb seiner Reichweite“, und dass während seiner Lebenszeit der Christ „nie die Perfektion“ erreicht. All diese Aussagen sind zweifellos wahr, aber sie werden dem Grad des Versagens und des Elends, die in diesem Abschnitt offensichtlich sind, nicht gerecht. Paulus beschreibt hier klar (um seine eigenen Worte zu gebrauchen) einen Zustand des „Elends“6, einen Zustand der „Gefangennahme“7 und einen Zustand der Unfähigkeit, „Gutes zu tun“8. Mit anderen Worten, der Mensch aus Römer 7 kämpft nicht nur mit der Sünde, sondern ist ihr vollkommen unterlegen, im krassen Gegensatz zu Paulus´ Beschreibung aller wahren Christen in Römer 6 und Römer 7,1-6.

(1Pink   2Sacharja 12,10   3Pink   4Epheser 1,18-23; Epheser 3,14-2 5Kolosser 3,9-13   6Römer 7,24   7Römer 7,14, 23-24   8Römer 7,18-19)

4. Römer 6 & 7 sind auf vier Fragen und ihre dazugehörigen Antworten aufgebaut.

Am Ende von Römer 5 macht Paulus zwei schockierende Aussagen, die Rechtfertigung und Klarstellung erfordern. Als Erstes, dass „das Gesetz hereingekommen ist, damit das Maß der Übertretung voll würde“; zum zweiten, dass „wo das Maß der Sünde voll geworden ist, da ist die Gnade überströmend geworden“. Paulus glaubt, dass diese Aussagen von anderen missverstanden und verdreht würden; daher macht er sich auf, diese Aussagen in Kapitel 6 & 7 zu verteidigen und zu verdeutlichen. Hierbei bedient er sich vier Fragen und ihre dazugehörigen Antworten (6,1; 6,15; 7,7; 7,13). Jeder dieser Frage-Antwort Abschnitte folgt einem ganz besonderen Muster. Zunächst stellt Paulus seine von ihm erwartete missverständliche und verzerrte Position dar. Darauf folgt eine deutliche Ablehnung („Das sei ferne!“) und eine kurzgefasste Antwort auf das Missverständnis. Diese knappe Antwort wird dann in den weiteren Versen klargestellt und erläutert. Dieses Muster bleibt unveränderlich in Römer 6-7,

Römer 6,1, Frage, „Was wollen wir nun sagen? Sollen wir in der Sünde verharren, damit das Maß der Gnade voll werde?“ Die deutliche Ablehnung, „Das sei ferne!“ Kurze Antwort, „Wie sollten wir, die wir der Sünde gestorben sind, noch in ihr leben?“ Nähere Erklärung der kurzen Antwort, Verse 3-14.

Römer 6,15, Frage, „Wie nun? Sollen wir sündigen, weil wir nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade sind?“ Die deutliche Ablehnung, „Das sei ferne!“ Kurze Antwort, „Wisst ihr nicht, Wem ihr euch als Sklave hingebt, um ihm zu gehorchen, dessen Sklaven seid ihr und müsst ihm gehorchen…?“ Nähere Erklärung der kurzen Antwort, Verse 17-23.

Römer 7,7, Frage, „Was wollen wir nun sagen? Ist das Gesetz Sünde?“ Die deutliche Ablehnung, „Das sei ferne!“ Kurze Antwort, „Aber ich hätte die Sünde nicht erkannt, außer durch das Gesetz; denn von der Begierde hätte ich nichts gewusst, wenn das Gesetz nicht gesagt hätte, Du sollst nicht begehren!“ Nähere Erklärung der kurzen Antwort, Verse 8-12

Römer 7,13, Frage, „Hat nun das Gute mir den Tod gebracht?“ Die deutliche Ablehnung, „Das sei ferne!“ Kurze Antwort, „Sondern die Sünde hat, damit sie als Sünde offenbar werde, durch das Gute meinen Tod bewirkt, damit die Sünde überaus sündig würde durch das Gebot.“ Nähere Erklärung der kurzen Antwort, Verse 14-25.

Darum geht es in den Versen 14-25! Vers 14 fängt kein neues und völlig unzusammenhängendes Thema an, so wie viele vermutet haben. Das Thema in diesem Abschnitt ist nicht „der unreife Christ, der im Wandel im Geist versagt“, oder „der reife Christ, der weiterhin mit der verbleibenden Sünde ringt“. Das Subjekt ist vielmehr „das Gute des Gesetzes, ungeachtet seiner Auswirkungen auf jene, die im Fleisch sind“. In diesem Zusammenhang ist es sehr bezeichnend, dass Vers 14 mit dem Wort „denn“ anfängt; und dasselbe Wort „denn“ tritt sogleich wieder auf (zweimal!) in Vers 15.

5. Römer 7,14-25 ist eine Weiterführung von Paulus´ Diskussion in Vers 7-13 über „den Menschen, zu dem die Gebote gekommen sind“.

In Vers 5 beschreibt Paulus den Zustand solcher Menschen, die „im Fleisch“ und „unter dem Gesetz“ sind, „Denn als wir im Fleisch waren, da wirkten in unseren Gliedern die Leidenschaften der Sünden, die durch das Gesetz sind, um dem Tod Frucht zu bringen.“ Die Schlüsselwörter sind hier „Gesetz“, „Sünde“ und „Fleisch“. Diese drei Wörter aus Vers 5 bilden das Herzstück von Paulus´ Diskussion für den Rest des ganzen Kapitels hindurch.

In den Versen 7-12 fängt Paulus an, seine Aussage in Vers 5 zu erklären, indem er sich auf seine eigene Erfahrung vor der Bekehrung bezieht. Es gab eine Zeit, in der Paulus in selbstgefälliger Selbstzufriedenheit lebte, „Ich aber lebte“ (Vers 9). Er dachte, dass er sich gut darin machte, das Gesetz zu halten, „…im Hinblick auf die Gerechtigkeit im Gesetz untadelig gewesen“ (Philipper 3,6).

Dann aber kam es zu einem großen Wendepunkt in Paulus´ Leben. Durch das Wirken des Heiligen Geistes „kam das Gebot“ zu ihm. Da fing er an zu begreifen, wie tiefgründig und peinlich genau die Anforderungen des Gesetzes wirklich sind, und wie unmöglich es für ihn war, diese Bestimmungen zu erfüllen. „Die Sünde lebte auf“ und Paulus „starb“ unter der schrecklichen Überführung seiner Sündhaftigkeit (wie lange dieser Zustand anhielt, wissen wir nicht; wir wissen aber, dass bevor er jeden auferstandenen Christus auf dem Weg nach Damaskus traf, es schon für ihn „schwer“ war, „gegen den Stachel auszuschlagen“/ Apostelgeschichte 26,14). Das Gesetz, das Leben versprach, resultierte somit im Tod für Paulus; nicht durch irgendein Verschulden des Gesetzes, sondern wegen der totalen Sündhaftigkeit der Sünde. Bis zu dieser Stelle in seiner Diskussion (Vers 13) hat Paulus nur die Beziehung zwischen „Gesetz“ und „Sünde“ beschrieben, indem er aufzeigte, wie das Gesetz die Sünde in Wirklichkeit aufleben lässt, und zum Tod führt. Aber er hat noch nicht erklärt, wieso das Gesetz solche Auswirkungen produzieren sollte. Dies kann Paulus nur durch eine Diskussion über „das Fleisch“ tun!

Darum geht es in Römer 7,14-25! Vers 14 beginnt mit dem Wort „denn“ und führt weiter Paulus´ Diskussion über „Gesetz, Sünde und Fleisch“, indem er dramatisch im Präsens den Platz der Sündenherrschaft beschreibt – „das Fleisch“, „Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist; ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft.“ (Beachte, dass der Übergang ins Präsens ganz selbstverständlich erfolgt, da Paulus kaum sagen konnte, „Wir wissen, dass das Gesetz geistlich war.“) Paulus fährt dann fort im Präsens bis zum Ende des Kapitels; dabei gibt er einen Bericht aus erster Hand über die „Knechtschaft der Sünde“, die solche erfahren, die „im Fleisch“ sind. Dies tut er aus dem Blickwinkel von jemandem, der nun ein Christ geworden ist und klar die Eigenschaften des Konfliktes sieht, welcher einst in seinem Leben stattfand. Aus diesem Grund zeigen die Fachausdrücke, die Paulus in diesen Versen benutzt, viel christlichen Einfluss, obwohl es eine Beschreibung seines Vor-christlichen Zustands ist.

Erinnert euch nochmal an Paulus leitende Aussage, „Denn als wir im Fleisch waren, da wirkten in unseren Gliedern die Leidenschaften der Sünde, die durch das Gesetz sind, um dem Tod Frucht zu bringen.“ Das „Fleisch“ wird von der „Sünde“ kontrolliert, und in der Gegenwart des Gesetzes werden die sündhaften Leidenschaften des Fleisches immer im „Tod“ enden. Die Tatsache, dass Paulus das „Fleisch“ durch den ganzen Abschnitt hindurch betont, ist klar erkennbar durch die Ausdrücke, die er gebraucht, „bin fleischlich, unter die Sünde verkauft“1, „ein Gesetz in meinen Gliedern“2 und „das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist“3. Diese Gefangenschaft der „Sünde in den Gliedern“ führt zu dem verzweifelten Ausruf, „Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Todesleib?“4

Paulus´ Antwort auf diesen Ausruf wird uns in Vers 25 gegeben, „Ich danke Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn!“ und weit ausführlicher in 8,1-4 , „So gibt es jetzt keine Verdammnis mehr für die, welche in Christus Jesus sind, die nicht gemäß dem Fleisch wandeln, sondern gemäß dem Geist. Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. Denn was dem Gesetz unmöglich war – weil es durch das Fleisch kraftlos war – , das tat Gott… damit die vom Gesetz geforderte Gerechtigkeit in uns erfüllt würde, die wir nicht gemäß dem Fleisch wandeln, sondern gemäß dem Geist.“

Beachtet hier Paulus´ Zusammenfassung von dem, was er ausführlich in 7,14-25 gesagt hat, „…was dem Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch kraftlos war…!“ Und beachtet erneut seine Beschreibung von jenen, die Christen sind, „Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes…, damit die vom Gesetz geforderte Gerechtigkeit in uns erfüllt würde, die wir nicht gemäß dem Fleisch wandeln, sondern gemäß dem Geist!“ Der Mensch aus Römer 7 ruft, „Wer wird mich frei machen?“ Der Christ antwortet, „Das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat mich frei gemacht.“

(1Römer 7,14   2Römer 7,23   3Römer 7,23   4Römer 7,24)

Isaac Watts fasst die Lehre des Paulus in Römer 7 zusammen in einer Hymne mit dem Titel, „Die Überführung der Sünde durch das Gesetz – Römer 7,8.9.14-24“,

Herr, wie sicher doch mein Gewissen war,
da ich keinen inneren Schrecken verspürte!
Ich lebte ohne das Gesetz
und dachte, meine Sünden wären tot.
Meine himmlischen Hoffnungen waren sicher und vielversprechend;
aber siehe, da kam das Gebot
mit überzeugender Kraft und im Licht;
da erkannte ich, wie verdorben ich war.
Davor erschien meine Schuld gering
bis zu meinem Schrecken ich sah,
wie perfekt, heilig, gerecht und rein
Dein ewiges Gesetz war.
Da fühlte meine Seele die schwere Last;
meine Sünden lebten wieder auf;
ich hatte einen furchtbaren Gott provoziert,
und all´ meine Hoffnungen waren begraben.
Ich bin wie ein hilfloser Gefangener, verkauft
unter die Macht der Sünde,
Ich kann weder das Gute, das ich will, tun,
noch kann ich mein Gewissen rein halten.
Mein Gott! Ich schreie mit jedem Atemzug
nach irgendeiner Macht, die mich errettet;
die das Joch der Sünde und des Todes bricht
und somit den Sklaven erlöst.

Drei abschließende Beobachtungen

Letzten Endes sollten drei Dinge beachtet werden,

1. Trotz äußerlicher Ähnlichkeiten ist Galater 5,16-25 nicht übereinstimmend mit Römer 7. Römer 7,14-25 beschreibt den Kampf und die Niederlage eines Menschen, der noch „im Fleisch“ und „unter dem Gesetz“ ist. Der Heilige Geist ist deutlich abwesend von der Sprache und Gedanken dieses Menschen. Genau genommen, der Heilige Geist wird nirgendwo in dem ganzen Abschnitt erwähnt. Wohingegen Galater 5,16-25 den unvermeidbaren Konflikt des Heiligen Geistes mit dem Fleisch beschreibt, den Dieser im Leben eines echten Gläubigen hat. Ein Vermerk des Sieges erklingt durch diesen Abschnitt, Der Christ ist „nicht unter dem Gesetz“1. Er hat bereits definitiv „das Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und den Lüsten“ durch Buße und Glauben an Christus.2 Die Macht des Geistes in seinem Leben hindert ihn wirksam daran, den natürlichen Neigungen des Fleisches zu folgen – „er tut nicht das, was er will“3. Seitdem er „im Geist“ lebt, ist er nun in der Lage, „im Geist zu wandeln“4. Und während er „im Geist wandelt“, so ist ihm versichert, dass er „die Lust des Fleisches nicht vollbringen wird“5. Diese Verse sind keine Darstellung der „Erbärmlichkeit“, sondern eine Siegesgarantie!

Die wahre Parallele zu Galater 5,16-25 findet sich in Römer 8,12-14, wo „Fleisch“ und „Geist“ gleichermaßen verglichen werden, „So sind wir also, ihr Brüder, dem Fleisch nicht verpflichtet, gemäß dem Fleisch zu leben! Denn wenn ihr gemäß dem Fleisch lebt, so müsst ihr sterben; wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Leibes tötet, so werdet ihr leben. Denn alle, die durch den Geist Gottes geleitet werden, die sind Söhne Gottes.“ Laut diesen Versen steht der Christ nicht unter der Verpflichtung, gemäß dem Fleisch zu leben. Er ist in der Lage, durch die Macht des Heiligen Geistes, „die Taten des Leibes zu töten“. Genau genommen, wenn man somit „vom Geist geleitet“ wird, so ist das eines der Erkennungsmerkmale von all denen, die wahrlich „Söhne Gottes“ sind! Beachtet hier die Parallele zwischen „durch den Geist Gottes geleitet“ (Römer 8,14) und „im Geist zu wandeln“ (Römer 8,4; Galater 5,16).

2. Der Mensch, der in Römer 7,7-25 beschrieben wird, ist nicht der typische, verlorene „Mensch auf der Straße“, der nichts von der Geistlichkeit oder der wahren Erwünschtheit des Gesetzes weiß. Der Mensch in Römer 7,7-25 ist der Mensch, zu dem „das Gebot gekommen ist“. Er macht Aussagen, die der typische Ungläubige niemals tun würde. Der elende Zustand, den jener Mensch erfährt, resultiert darin, dass er zu Christus gekommen ist, „Ich danke Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn!“6 Dadurch ist es offensichtlich, dass dieser Mensch „von Gott gelehrt“ und „vom Vater gehört und gelernt hat“7. Jeder, der also „vom Vater gehört und gelernt hat“, kommt zu Christus.8

3. Es gibt keinen Zweifel, dass jeder wahre Christ zeitweise so empfunden hat, als würde er „mitten“ in Römer 7 stecken. Selbst der Gerechte „fällt siebenmal“!9 Die Erfahrungen des Christen beinhalten immer schmerzhafte Niederlagen, als Teil des Lernprozesses, um „im Geist zu wandeln“. So wie Petrus müssen auch wir oft durch bitteres Versagen die Unzulänglichkeiten unserer eigenen Entschlossenheit lernen. Die Frage, die jedoch vor uns liegt, ist nicht, „Was machen Christen oftmals durch?“, sondern, „Was lehrt Paulus in Römer 7?“

(Wer von euch Interesse hat, mehr zu diesem Thema zu lesen und gut Englisch versteht, wird hingewiesen auf, Robert L. Reymond, A New Systematic Theology of the Christian Faith, Appendix F, 1127-32; Martyn Lloyd-Jones,  The Law, Its Functions and Limits; und Herman Ridderbos, Paul, An Outline of His Theology, 126-30.)

Märtyrer.

Märtyrer früher “Brüdergemeinden” des 16. und 17. Jahrhunderts

Der blutige Schauplatz oder Märtyrerspiegel der Taufgesinnten oder wehrlosen Christen, die um des Zeugnisses Jesu, ihres Seligmachers, willen gelitten haben und getötet worden sind, von Christi Zeit bis auf das Jahr 1600.

Als Geschenk für die Feiertage – oder auch für Täuflinge – könnte ein neues altes Büchlein gut dienen. “Gute Nacht, gute Nacht, Gott gebe Gnade!” ist ein gerade erschienener Auszug aus einem im Original weit über 1000 Seiten umfassenden Werk des 17. Jahrhunderts mit dem Titel “Der Märtyrerspiegel”.

In der neuen Kurzfassung wurden viele der Zeugnisse der Glaubenszeugen unverändert übernommen, zum Teil aber auch durch eigene Recherchen ergänzt. Das vorliegende Buch gibt einen Einblick in die freudige Glaubenszuversicht der ersten “Brüder” – wie sie sich selbst gerne nannten.

Wie das umfassende Originalwerk beschreibt das neue Büchlein zum Teil ausführlich, auch anhand von Originaldokumenten, den Glauben und die Leiden vieler “Brüder”, d.h. Gläubiger, die sich hinsichtlich Gläubigentaufe, Abendmahl, Gemeindeverständnis und Glaubensleben nur am Wort Gottes orientieren wollten – und dafür zumeist einen hohen Preis bezahlen mussten. Von ihren Feinden wurden sie oft “Wiedertäufer” oder einfach “Täufer” beschimpft.

Auf rund 1300 Seiten wird die Geschichte dieser Gläubigen erzählt, beginnend mit der Steinigung des Stephanus bis zu einem Hans Landis, der 1614 wegen seines Bekenntnisses in Zürich hingerichtet wurde – insgesamt fast 1400 dieser “Brüder”, die den grausamen Verfolgungen durch den Staat und die mit ihm verbündeten Volkskirchen zum Opfer fielen. Hinzu kommen die zum Teil namenlosen Märtyrer der Waldenser und anderer von den offiziellen Kirchen als Ketzer und Häretiker bezeichneter Bewegungen. Die erste deutsche übersetzung des niederländischen Werkes erschien 1748.

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